BÖLW-Statement: "Wirksamer Insektenschutz braucht eine neue GAP"

BÖLW-Statement: "Wirksamer Insektenschutz braucht eine neue GAP"

Berlin, 03.03.2020. Am Runden Tisch Insektenschutz zum Thema Landwirtschaft von BMEL, BMU und Verbänden nimmt heute Peter Röhrig, Geschäftsführer des Bio-Dachverbands Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), teil und kommentiert:

„Die Artenkrise spitzt sich dramatisch zu. Opfer von insektenschädlichem Wirtschaften sind nicht nur Bienen, Schwalbenschwänze oder Teichjungfern. Auch die Bauern selbst leiden, wenn mit der Artenvielfalt die Grundlagen ihrer Produktion schwinden. 

Zwar haben große Teile der Politik erkannt, wie dringend es ist, dass Landwirtschaft artenfreundlich wird. Ein Aktionsprogramm Insektenschutz wird aber kaum wirksam sein können, wenn mit dem geplanten EU-Haushalt die Rahmenbedingungen für eine enkeltaugliche Landwirtschaft massiv verschlechtert werden. 

Wirksamer Insektenschutz braucht eine neue GAP, hier müssen Julia Klöckner und Svenja Schulze ansetzen. Die Bundesregierung muss sich gegen eine massive Kürzung des Umwelttopfes, mit dem auch die artenfreundliche Landwirtschaft ermöglicht wird, wehren. Denn die geplanten Kürzungen sollen die 2. Säule um satte 24 % schrumpfen lassen. 

Nur wer sich an Struktur und Budget der GAP herantraut, kann wirklich etwas für Bauern und Insekten erreichen. Schließlich bestimmt die GAP mit Milliarden Euro, welche Landwirtschaft sich in Europa lohnt. 

Die Wissenschaft zeigt ganz klar, dass Öko-Landbau aktiver Insektenschutz ist. Daher ist es richtig und wichtig, dass der geplante Green Deal eine starke zweite Säule sowie ein ambitioniertes Bio-Ziel braucht und so eine kraftvolle Entwicklung von Bio ermöglicht. Wichtig ist, dass 70 % der gesamten EU-Fördermittel dafür reserviert werden, freiwillige Leistungen der Bäuerinnen und Bauern für Insekten-, Klima- und Umweltschutz zu honorieren. Das Geld weiter mit der Gießkanne über die Fläche zu verteilen, hilft weder Bienen noch Bauern. 

Das 20 % Bio-Ziel der Bundesregierung ist ein Insektenschutzziel. Auch für die EU-Ebene muss sich Deutschland für ein Öko-Flächenziel und dessen Umsetzung stark machen.“


Hintergrund

Laut Eurobarometer erwarten 80 % der EU-Bürger, dass die Gemeinsame EU-Agrarpolitik ökologischer wird.

Mitte Februar veröffentlichte Ratspräsident Charles Michel den Verhandlungsvorschlag seitens der EU-Staaten für den EU-Haushalt nach 2021. Der Vorschlag sieht real für die zweite Säule eine Kürzung von 24 Prozent gegenüber heute vor. Die erste Säule - und damit der Löwenanteil des GAP-Budgets - über die Mittel fast pauschal auf die Flächen geschüttet werden, sollen nur um zehn Prozent gestutzt werden.

Insekten bestäuben drei Viertel der wichtigsten Nutzpflanzen weltweit, steigern deren Ertrag und verbessern die Bodenqualität[1].

Dass Insektenpopulationen und -arten etwa durch schädliche Pestizide immer weiter dezimiert werden, ist wissenschaftlicher Konsens. Die Evidenz aus der Wissenschaft ist erdrückend. Auch mittelbar leiden Insekten an einer industriellen Landwirtschaft. Etwa, weil Ackerwildkräuter von den Felder verschwinden oder die Felder immer größer und Rückzugsgebiete wie Ackerrandstreifen, Hecken oder Büsche kleiner bzw. weniger werden. „So sind in Deutschland 71 Prozent der Ackerwildkrautarten pro Acker seit 1950 verschwunden.“[2]

Eindeutig belegen lässt sich der Vorteil der Ökologischen Landwirtschaft für die Artenvielfalt. Im Mittel lagen die Artenzahlen der Ackerflora bei Öko-Bewirtschaftung um 95 %, bei den Feldvögeln um 35 % höher – das zeigte umfangreichste Metastudie, die zu der Frage, was Öko leistet, je angestellt wurde.[3]

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[1][1] Insektenatlas 2020, S. 8-9, online auf https://www.boell.de/sites/default/files/2020-02/insektenatlas_2020_II.pdf?dimension1=ds_insektenatlas.

[2] Ebd., S. 12.

[3] https://www.boelw.de/themen/pflanze/gesundheit/artikel/umfassende-studie-system-oekolandbau-ist-klarer-punktsieger-bei-umwelt-und-ressourcenschutz/