Presseinformation der BLE: Zulässiges Vitamin B2-Produkt für Öko-Geflügelhaltung entwickelt

Presseinformation der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE), Bonn, 18. Juni 2020

Zulässiges Vitamin B2-Produkt für die ökologische Geflügelhaltung entwickelt

Eine bedarfsgerechte Versorgung von Bio-Geflügel mit Riboflavin ist ab jetzt auch im Ökolandbau möglich. Insbesondere Jungtiere profitieren von dem Ergänzungsmittel auf Hefe-Basis. 

Fachleute vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) Deutschland und der Agrano GmbH haben in einem BÖLN-Projekt ein neues Produkt für eine bedarfsgerechte Versorgung von Bio-Geflügel mit Riboflavin (Vitamin B2) entwickelt. Es basiert auf der Fermentation eines Hefestamms und entspricht damit den Vorgaben des ökologischen Landbaus. Das Ergänzungsmittel ist bereits zugelassen, biozertifiziert und kann als Suspension oder Trockenprodukt bezogen werden. 

In diversen Versuchsreihen kam das Forscherteam zu dem Ergebnis, dass ein Riboflavin-Supplement auch in der ökologischen Geflügelmast unerlässlich ist. Vor allem in den ersten beiden Lebenswochen könne eine Zugabe eine anschließende Unterversorgung und erhöhte Mortalitätsrate im Bestand vermeiden. Grundsätzlich sei der Riboflavin-Bedarf umso höher, je schneller die Tiere wachsen. Als Mindestgehalt für die Praxis empfehlen die Fachleute Mengen von mindestens drei Milligramm Riboflavin pro Kilogramm Futter (Trockenmasse). 

Anfängliche Unterversorgung kann aufgefangen werden

In mehreren Versuchsreihen mit Küken der Genetik Ranger Gold™ erhielt eine Gruppe eine Futterration mit natürlichem Riboflavin-Gehalt ohne Supplementierung, drei weitere Gruppen wurden zusätzlich mit unterschiedlich hohen Anteilen des Riboflavin-Supplements gefüttert. Die Gruppe ohne Riboflavin-Ergänzung zeigte in der zweiten Lebenswoche Symptome einer Unterversorgung. Deshalb wurde die Ration im weiteren Versuchsverlauf mit dem neuen Riboflavin-Produkt ergänzt. Während die unterversorgten Tiere in der zweiten Lebenswoche noch ein geringeres Gewicht aufwiesen als die anderen Gruppen mit Supplementierung, waren am Ende der Mast keine Gewichtsunterschiede mehr zwischen den Gruppen festzustellen. In einem weiteren Versuch auf einem Praxisbetrieb gab es beim Mastendgewicht keine Unterschiede zwischen den Gruppen mit unterschiedlichen Versorgungsstufen. Allerdings war die Futterverwertung bei den Gruppen mit der höchsten Riboflavin-Ergänzung deutlich besser als bei den Gruppen mit geringerer Versorgung.

Für Mastputen geeignet, Legehennen brauchen keine Ergänzung

Bei Versuchen mit Mastputen zeigte sich ein ähnliches Bild. Auch hier traten in der Versuchsgruppe ohne Riboflavin-Ergänzung Mangelsymptome auf, die durch den Einsatz des Ergänzungsmittels im weiteren Mastverlauf aufgefangen werden konnten. Für Legehennen besteht dagegen kein Ergänzungsbedarf, da sie unter ökologischen Haltungsbedingungen im Freiland genügend Riboflavin aufnehmen.

Hintergrundinformationen

In der ökologischen Geflügelmast ist der Einsatz synthetischer Riboflavin-Ergänzungsmittel nicht zulässig, da diese mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt werden. Das neue Produkt auf Hefe-Basis entspricht dagegen den Vorgaben des ökologischen Landbaus und ermöglicht eine bedarfsgerechte Versorgung. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat die Forschungsarbeiten im Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) gefördert. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung betreute die Arbeiten als Projektträger. Den Abschlussbericht gibt es unter www.ble.de/RiboflavinversorgungBiogefluegel